Radlager bei Cross-Skates und Skikes

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Radlager-Set01Zur Pflege der Radlager sollte man wissen, dass Cross-Skate- und Skike-Radlager mit einem relativ zähen Lagerfett “auf Lebenszeit” gedichtet sind. Das bedeutet nicht so lange der Cross-Skater lebt, sondern dass das Lager keinerlei Wartung bedarf. Das Fett verteilt sich im Verlauf der ersten ca. 50 km gleichmäßig im Lager und erst dann beginnt es etwas leichter zu laufen. Das überschüssige Fett dichtet das Lager nach außen hin halbwegs gegen Spritzwasser ab, nicht jedoch gegen Druckwasser. Eine Reinigung der Lager mit dem Wasserstrahl ruiniert die Lager ebenso wie Wasserdurchfahrten bei denen die Radlager untertauchen. Fast genauso schädlich ist der Versuch die Radlager mit Öl von außen zu schmieren. Öl ist dünnflüssiger als Fett und verdünnt daher das Fett im Lager, es “wäscht” das Fett praktisch aus, so dass die Fettfüllung weniger lange hält und nicht mehr abdichten kann. Auch kann durch das eindringende Öl Schmutz in das Lager hinein transportiert werden und es zerstören. Sollte ein Lager anfangen zu quietschen, sind seine Tage gezählt und wer noch einige Tage weiterfahren muss, bis das Lager ausgetauscht wird, kann dann durch notdürftiges Ölen mit Fahrradöl von außen wenigstens ein spontanes Festfressen (kein “Festessen”, gemeint ist ein völliges Steckenbleiben des Lagers) über einige gewisse Zeit verhindern.
Der Begriff Cross-Skating suggeriert harten Einsatz im Gelände. Auch wenn der Einsatz anfangs nicht allzu hart ausfallen mag, so sehen die Skates oft schon nach kurzer Zeit sehr “cross” aus. Wer keine ausdrücklich wasserdichten Radlager in seine Cross-Skates eingebaut hat, sollte seine Skates vorzugsweise trocken reinigen (z.B. abbürsten), denn ein Wasserstrahl oder schlimmer noch ein Strahl von Druckreinigern direkt auf die Radlager ist deren schneller Tod. Die Skates also nach schlammigem Einsatz zuerst trockenen lassen, dann mit einer Bürste den Schmutz abbürsten und danach eventuell mit einem feuchten Lappen für ein schöneres Finish sorgen. Reinigungsmittel braucht man dafür überhaupt nicht. Cross-Skates sind umweltfreundliche Sportgeräte!
Wem es nicht zu umständlich ist, kann auch alle wasserempfindlichen Teile (Räder, möglicherweise den Innenstiefel bei Boot-Skates) abmontieren und nach Herzenslust eine Nassreinigung durchführen.

Was bedeuten die vielen Nummern auf den Radlagern?

In manchem Inliner-Shops bekommt man erzählt, ABEC 9 sei die „beste Quätität“, andere Händler behaupten, es müsse unbedingt „608Z in Industrielagerqualität“ sein.

Das klingt jetzt wie Äpfel mit Birnen vergleichen um das beste Gemüse einzukaufen, denn beide haben Unrecht. Die Abmessungen und die Art der Abdichtung drücken sich in Zahlen wie 608Z aus. Die Lagertoleranz wird nach ABEC angegeben.  Um Industrielager handelt es sich eigentlich in allen Fällen, denn sie haben industrieübliche Abmessungen. Bei Skikes sind serienmäßig Lager mit etwa der Toleranz ABEC5 eingebaut, was auch ausreicht. Wichtiger ist, dass sie einigermaßen gedichtet sind. Besonders in der Inliner-Szene werden oft die ABEC-Toleranzen mit “Qualität” gleichgesetzt, was absolut falsch ist. Die Qualität dagegen wird vom verwendeten Stahl bestimmt und das gibt es teure Schwerindustrielager die “nur” in der Toleranzklasse ABEC 3 oder 1 (größere Toleranz) sind, aber wegen des Stahlqualität jahrzehntelang in schweren Maschinen durchhalten.

Was bringen „Super-Lager“ im Cross-Skate?

Vor allem das Gefühl sein Sportgerät “getunt” zu haben. In den meisten Fällen ist ein Lagerwechsel ziemlicher Unsinn und Messungen bestätigen, dass das “gute Gefühl” nach dem Tuning nie den Vorteil bringt, den man empfindet. Warum das ist so? Lange Jahre haben Lagerhersteller die Hirne der gesamten Inliner-Szene malträtiert bis Werbung und Halbwissen Wirkung gezeigt haben. Für den Leichtlauf eines Lagers ist die Art der Abdichtung und das Material entscheidend, kaum die  Lagertoleranz, die man in den ABEC-Klassen ablesen kann. Die Lagertoleranz ändert sich ohnehin nach dem Einlaufen, vor allem bei schlechter Stahlqualität, auf die der ABEC Standard überhaupt nicht hinweist. Cross-Skates brauchen vor allem gut gedichtete und langlebige Lager. Wer mit der Fummelarbeit, des Lagerreinigens anfängt, hat eindeutig zu viel Zeit, denn man müsste neues Lagerfett einbringen um das Lager wieder flott zu bekommen. Oft wird aber (aus Gründen des Leichtlaufs) dünnes Öl genommen. Die Abdichtung ist damit schnell dahin, ebenso die Lagerfläche und oft auch die Kugeln.
Besonders in Inliner-Kreisen existiert die Ansicht, dass so genannte “Freilauftests” etwas über den Rollwiderstand von Radlagern aussagen. Dabei wird das Rad ohne Belastung und frei in Drehung versetzt und die Zeit gemessen, die es benötigt, bis es wieder zum stillstand kommt . Wie sich das Rad unter Belastung, nach längerer Benutzungszeit, unter Schrägbelastung oder bei Erwärmung verhält, wird damit natürlich nicht ausgesagt, es ist nur ein billiger Verkäufertrick für Leichtgläubige, der es sogar bis in diverse unkritische Inliner-Magazine geschafft hat. Nur ein Rolltest kann den echten Widerstand messen und das auch nur passiv, die real auftretenden Kräfte während des Abstoßes machen eine praxisnahe Messung unmöglich. Das Späßchen des Lagerwechselns lohnt sich also bestenfalls für schnelle Straßenrennen bei Trockenheit, ansonsten sind sie reine Zeit und Geldverschwendung und belaset die Umwelt unnötig. Aber manche sprechen eben so gern über “Tuning”…

Quelle/Autor: Auszüge aus der CD-ROM „Cross-Skating Trainer“, Frank Röder

von melvin

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