Silent-Tip - die leise Stockspitze - im Vergleich zu Gummipads 25. November 2007
Ein neues Produkt für Skiker, Cross-Skater, Nordic-Blader und Rollski-Sportler kommt aus Österreich.
Silent-Tipp heißt eine gedämpfte Stockspitze, die ihre Arbeit mit Hilfe eines recht großen gelben Elastomers (= Kunststoffdämpfer) verrichtet. Die Dämpfungseigenschaften von Gummi-Pads für die Stockspitzen sind den meisten bekannt. Durch die völlig andere Stocktechnik, den flacheren Arbeitswinkel und den höheren Krafteinsatz beim Cross-Skating, kann aber so gut wie kein Vergleich zu den Anforderungen an Nordic-Walking-Pads oder -Stockspitzen gezogen werden.
Links: Hartmetallspitze, mitte: Hartmetallspitze mit Halb-Pad, rechts: Voll-Pad
Nur zur Erinnerung: Metallspitzen werden direkt auf den jeweiligen Untergrund aufgesetzt. Wer dies nicht besonders sensibel macht, erzeugt beim Aufprall ein mitunter erhebliches Geräusch und auch die leichte bis mittelstarke Erschütterung kann Nachteile haben. Die Spitze prallt auf hartem Boden (Asphalt, Beton…) häufig etwas ab und greift dann erst einen Sekundebruchteil später oder auch gar nicht, sofern zu früh Druck auf den Stock gegeben wird oder der Boden einfach zu glatt ist. Diese Abprall-Rutscher sind dann besonders störend, wenn man den Armschub am dringendsten braucht, nämlich bergauf. Ob man durch Metallspitzen einen Tennisellenbogen bekommen kann, wie manchmal behauptet wird, ist noch nicht belegt, jedoch ist bei bereits bestehenden Schmerzen, der Aufprall sicher nicht immer angenehm. Im Gelände und auf sehr rauem Asphalt gibt es praktisch keine Abprall-Rutscher, da die Spitze auf weichem Untergrund oder in größeren Vertiefungen zu wenig abprallt um wegzurutschen.
Routinierte Roll-Skater haben jedoch einen sehr gefühlvollen Stockeinsatz und daher kaum Abprall-Rutscher oder Beschwerden durch den Stockaufprall. Sie werden die wenigsten Probleme mit Hartmetallstockspitzen haben.
Eine Sache ist jedoch bei allen Nordic-Skatern gefürchtet, die mit blanken Stockspitzen fahren: Die Ritzenklemmer. Zwischen Betonverbundplatten (Gehwege und in Fußgängerzonen) oder in groben Asphaltrissen können die spitzen Hartmetallenden unvermittelt stecken beleiben. Daher lassen manche Straßen-Stockskater auf diesem Untergrund den Stockeinsatz oft vorübergehend ganz weg.
Im Gelände sind die Eigenschaften der Metallspitzen jedoch unanfechtbar hervorragend. Gewicht der Hartmetallspitzen: ca. 10 Gramm pro Stück
Voll-Pads arbeiten ähnlich wie ein Fuß beim Rückwärtslaufen und rollen beim Stockeinsatz über ihre gesamte Fläche ab. Dabei behalten sie leider nur mehr oder weniger Bodenkontakt. Nur wenige Sandkörner auf festem Belag genügen schon und beim cross-skating-typisch hohen Krafteinsatz rutschen die Pads einfach weg. Im Gelände sind Voll-Pads aus Gummi daher unbrauchbar und eigentlich nur eine Alternative auf sehr rauem Asphalt, im Indoor-Bereich oder auf Tartanbelag (dort sogar recht gut). Wichtig für die Bodenhaftung ist, ähnlich wie bei den breiten Rennreifen der Formel-1, eine weiche Gummimischung und eine große Auflagefläche der Pads. Weiches Material verschleißt schneller und somit halten solche Gummipads nur rund 100 km. Gewicht der Voll-Pads: ca. 33 Gramm (plus 10 Gramm für die Metallspitze) pro Stück.
Halb-Pads, decken nur die Metallspitze beim ersten Bodenkontakt ab. Dabei dämpft der Gummi kurz den Aufprall und beim weiteren Abrollen beginnt die, nicht völlig abgedeckte Metallspitze, mit ihrer Arbeit und kann im Idealfall so gut greifen wie eine völlig unbedeckte Spitzte. Dieser Kompromiss auf Voll-Gummipuffer und nackter Metall-Spitze gelingt leider nicht immer. Im Gelände verhindern gerade die Halb-Pads, dass die Stockspitze genügend in den Boden eindringt um ausreichend Kräfte zu übertragen. Dies gelingt noch am besten auf hartem Erdboden. Der Einsatz der Halb-Pads ist also eigentlich die Straße und (man staune) sogar Gehwege, denn die gefürchteten Ritzenklemmer werden gerade dadurch verhindert, dass das Pad die Spitze vor zu tiefem Eindringen zwischen die Wegplatten verhindert. Trotz härterer Gummimischung halten die Halb-Pads oft nicht länger als die Voll-Pads, weil die Auflagefläche nur etwa ein Drittel so groß ist. Gewicht der Halb-Pads: ca. 11 Gramm (plus 10 Gramm für die Metallspitze) pro Stück
Kommen wir nun zum Test der Silent-Tipps. Die Anekdote zuerst: Wer hat’s erfunden? Mal wieder die Österreicher! Es gibt wohl kaum eine sportliche Innovation die nicht irgendwie mit der Alpenrepublik zu tun hat.
Gelb und auffällig: Der Polymer-Dämpfer Silent-Tipp aus Österreich

Etwas klobig sehen sie schon aus die gelben Kunststoffelemente, welche die Dämpfungsarbeit an den Stöcken verrichten sollen. Doch die Farbe ist ideal um gesehen zu werden und wem das nicht genug ist, findet auf dem Silent-Tip eine ideale Fläche um Reflexfolie anzubringen. Die Montage geht leicht von der Hand. Die Silent-Tipps sind innen nicht aus Plastik, wie üblichen Hartmetallspitzen, sondern aus Gummi und sind daher auch ziemlich tolerant was den Durchmesser der Stockenden angeht. Bei 10 mm Durchmesser sitzen sie jedenfalls perfekt und das schon mit sehr wenig Heißkleber.
Nach der Montage bauen die Stöcke einen Zentimeter länger. Die Dämpfung muss ja schließlich irgend wo untergebracht werden.
Dann die Praxis. Wer vorher ganz ohne Pads gefahren ist, wird im ersten Moment das geringe Mehrgewicht spüren, obwohl dies gerade einmal 12 Gramm sind. Beim Wiegen kommt nämlich die aufklärende Überraschung. Nur 22 Gramm Gewicht! Halb-Pads wiegen mit Spitzen etwa das Gleiche. Die objektive Waage korrigiert somit den subjektiven Eindruck des „spürbaren“ Mehrgewichts.
Der akustische Eindruck der Silent-Tip ist gut. Nicht geräuschlos aber mit deutlich gedämpften „Klick“ gehen die Silent-Tipps an’s Werk – sie werde ihrem Namen damit gerecht. Meine Befürchtung dass das Elastomer-Element bei starkem Druck wegknicken könnte, war unbegründet.
Der Stock ist nach der Montage effektiv um einen Zentimeter länger

Zwar ändert sich der Winkel der Spitze im Untergrund beim Drücken minimal, dies führt aber nicht zum Abrutschen und die eingebaute Hartmetallspitze kann sich sogar in einigen Fällen noch besser im Untergrund verzahnen. Die Stöße auf Arme und Schulter sind auf Anhieb spürbar geringer, dabei arbeiten die Dämpfer sehr unauffällig ohne schwammig oder teigig zu wirken.
Abprall-Rutscher treten ganz erheblich seltener auf, die Wahrscheinlichkeit ist nach meiner Schätzung auf weniger als ein Viertel von ungedämpften Spitzen verringert. Auf der Straße sind die Vorteile eindeutig und man gibt die Stöcke ungern aus der Hand, nachdem man einmal die Silent-Tipps montiert hat.
Im Gelände braucht man die Silent-Tipps nicht unbedingt. Trotzdem spürt man auch hier abschnittweise immer noch die Dämfpungseigenschaften. In weicherem Untergrund setzt beim langen Drücken nach hinten der relativ breite untere Rand des Silent-Tipps manchmal auf. Einen Nachteil konnte ich dadurch aber nicht feststellen, man könnte die untere Fläche des Silent-Tips auch als kleinen Geröllteller betrachten, der ja auch gewisse Vorteile haben kann. Nur vor einem schützen auch Silent-Tipps nicht: Vor den gefürchteten Gullideckel-Löchern. Dort passen sie nämlich hinein, wie die berühmte Faust auf’s Auge. Aber hier wären auch andere Gummipads ebenso gefährdet und die bei Gullilöchern einzig wirksamen großen Schneeteller stören wiederum am dicht bewachsenen Wegesrand durch Hängenbleiben an der Vegetation.
Der Silent-Tipp ist bereits in Österreich erhältlich und soll im Dezeber für recht preisgünstige 15 Euro auf den deutschen Markt kommen.
Gewicht: ca. 22 Gramm (eine Metallspitze ist eingebaut)
Resumeé: Ein wirkungsvolles Nordic-Skating-Teil zum fairen Preis.
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