Welcher Schuh ist geeignet zum Skiken? -Teil 1- 1. November 2007
Welcher Schuh ist geeignet zum Skiken? -Teil 1-
von Frank Röder
Mittlerweile sind viele tausend Skiker zufriedenen mit ihren Sportgeräten unterwegs. Es könnten aber noch einige mehr sein, denn der erste Eindruck, den man als Neuling auf den Skikes bekommt, ist vor allem der, wie gut kontrollierbar die Skikes erscheinen. Ist die Kontrolle auf Anhieb gut, ist man schnell überzeugt und mitunter von Anfang an begeistert von den neuen Sportgeräten. Manchmal bleibt allerdings ein leichte Skepsis die den meisten Fällen durch einen unsicheren Stand auf den Skikes verursacht wird. Leider entscheiden dann manche der Unsicheren sich keine Skikes zuzulegen und ahnen gar nicht was sie damit verpassen. Diese Unsicherheit muss nicht sein und die Schuld liegt weder an den Skikes noch an der fehlenden Standfestigkeit der Neulinge.
Es ist in fast immer eine Frage der Abstimmung, wie sicher und standfest man auf den Skikes ist. Und die Abstimmung ist nicht allein Sache der Einstellung einiger Schrauben am Skike, sondern sie fängt als aller erstes bei der richtigen Wahl der Schuhe an. Ich selbst habe mich auf den pauschalen Hinweis Skikes seinen „für fast alle Schuhe geeignet“ verlassen. Ja, man kann mit fast allen Schuhe in die Skikes einsteigen, das ist richtig, aber gut zum Skiken geeignet sind nur Schuhe mit bestimmten Eigenschaften. Hätte ich meine Schuhe besser ausgewählt, hätte ich mich von Anfang an wohler auf den Skikes gefühlt und wäre vielleicht schon nach 10 statt nach 30 Minuten begeistert vom Skiken gewesen. Mein erstes Paar Schuhe, mit dem ich versuchte zu skiken, waren Laufschuhe. Was sollte daran verkehrt sein, es waren ja immerhin teure und bequeme Sportschuhe?
Fehler Nummer 1: Verdächtig war schon, dass sich die Schaumsohle der Schuhe nur schwer in die Fersenschale der Skikes drücken konnte, weil sie zu klobig war. Die Schuhsohle entsprach nicht annähernd der Form der Fersenschale.
Fehler Nummer 2: Die Schuhsohle war zu weich. Beim Laufen muss die Sohle Energie aufnehmen indem sie die Schritte abdämpft, beim Skiken dagegen ist die Übertragung der Kräfte zwischen Skike und Fuß sehr wichtig für die Kontrolle.
Fehler Nummer 3: Der Laufschuh war zu biegsam in der Sohle. Sogar als die Schuhgurte fest angezogen waren, konnte ich die Schuhferse etwas in der Fersenschale anheben, was auch bei jedem Schritt geschah. Eine weiche Sohle ist zwar gut für ein leichtes Abrollen beim Laufen, aber schlecht für den Halt auf den Skikes.
Fehler Nummer 4: In Laufschuhen muss lediglich das Gewicht des Schuhes (ca. 350 Gramm) angehoben werden, beim Skiken sind es ca. 2,3 kg. Dafür haben Laufschuhe eine zu weiche (komfortable) Oberfußschnürung. Bei Anheben dieses Gewichtes rutschte ich mit meinen Laufschuhen bei jedem Skatingschritt hinten rund einen Zentimeter aus dem Schuh heraus und wieder hinein.
Das Gewicht von rund 2,5 kg am Fuß anzuheben, stellt auch auf Dauer kein wirkliches konditionelles Problem dar, aber das Spiel im Schuh (Fehler Nr. 4) addiert sich mit dem Spiel in der Fersenschale (Fehler Nr. 1 und 3) zu einem beträchtlichen Weg. Was die Kontrolle über den Skike betrifft, ist jeder Millimeter Spielraum zwischen Fuß und Skikes zu viel (siehe auch Aufzählung am Ende des Artikels) . Man kann durch extremes Anziehen der Klettgurte dieses Spiel etwas verringern, es wird dann aber zunehmend unkomfortabel und kann zu orthopädischen Problemen führen, weil der Fuß einen dauerhaften und schlecht verteilten Druck auf die Fußoberseite nicht gut verträgt. Nachdem ich über längerer Zeit einige hundert weitere Skier mit ähnlichen Problemen beobachten konnte, konnten wir aus unseren Erfahrungen zumindest so etwas wie Grundanforderungen an einen geeigneten Skikeschuh ableiten. Den perfekten Skikeschuh, mit dem jeder optimal skiken kann, gibt es nicht und wird es nie geben, weil jeder andere Anforderungen und Voraussetzungen mitbringt.
Die wichtigste Grundlage ist die Überlegung, dass der Skike-Schuh möglichst exakt in die Fersenschale passen muss. Geometrisch sollte die Form im Idealfall also genau der Fersenschale entsprechen, damit ein extremes Auf- oder Zusammenbiegen zur Anpassung vermeiden werden kann.
• Das Schuhwerk sollte unbedingt eine relativ schmale und feste Sohle haben (Vollgummi oder Kunststoff sind gut geeignet): Absatzbreite 75 bis 85 mm, Vordersohle maximal 110 mm breit. Wanderschuhe, Langlaufschuhe oder MTB-Schuhe haben sich bisher als die beste Wahl erwiesen. Wichtig ist, dass der Absatz seitlich möglichst gerade gebaut ist, mit senkrecht abfallenden Seiten.
• Fast völlig ungeeignet sind Schuhe mit zu breiter oder zu schmaler Sohle, Schuhe deren hinten nicht rund sind, Schuhe mit Ausbeulungen am Absatz. Auf Grund der Form bieten solchen Schuhe kaum Halt in der Fersenschale.
• Auch Schuhe die einen weichen Dämpfungskeil in der Ferse haben sind weniger geeignet. Diese Dämpfung vermittelt nur schwammigen Kontakt zum Skike und der Schuh rutsch leicht wieder aus der Fersenschale heraus.
• Eine feste Schnürung über den Spann (Fußoberseite) ist wichtig, weil der Schuh beim Anheben des Skikes das gesamte Gewicht tragen muss, ohne dass der Fuß im Schuh Spiel hat. Jeder Millimeter ist zu viel. Knöchelhohe Schuhe erfüllen diese Forderung meist, sind aber nicht notwendig, wenn ein halbhoher Schuh den Fuß ebenfalls gut festhält.
• Je steifer die Sohle über ihre Gesamtlänge ist desto besser ist der Halt. Weiche biegsame Sohlen, wie in Joggingschuhen, sind so gut wie ungeeignet.
Sollte sich beim Fahren dann trotzdem eine seitliche Instabilität oder ein Abknicken bemerkbar machen, sollte man die Einstellschrauben der X-O-Beim-Verstellung überprüfen und fest anziehen falls sie sich gelockert haben. Wir wollen ja auch nicht jede mögliche Instabilität den Schuhe „in die Schuhe“ schieben.
Doch einen schwarzen Peter muss man dem Skiker in die Schuhe schieben: Eine bessere koordinative Stabilität, also weniger Zittern und bessere Balance, erreicht man (mit geeigneten Skike-Schuhen!) vor allem durch fleißiges und systematisches Üben der Skike-Technik. Ein Trainer oder erfahrener Skiker kann da sicher einige Tricks verraten.
Welche Schuhe konkret, welchen Grad der Eignung auf Skikes zeigen, wird der 2. Teil zum Thema Skike-Schuhe zeigen, unser umfangreicher Cross-Skating.com-Skike-Schuh-Test.
Viel Spaß beim stabilen Skiken!
Eurer Frank Röder
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