Der große Nordic-Rollsportgeräte-Vergleich 23. May 2007

Sachenbacher Trainiert auf SkikeDie Nordic - Rollsportarten im Vergleich

Seit kurzem kommen verschiedene “Nordic-Sportarten” häufiger ins Gespräch, die teilweise gar nicht so genannt werden. Mit Nordic Walking haben sie nur die Verwendung von Stöcken gemeinsam.

Wir vergleichen hier:

  • Skiken (Skike)
  • Rollski
  • Nordic Blading (Inlineskates und Stöcken auch Nordic-Cross-Inline genannt).
  • diverse weitere Cross Skating Modelle

Die Bewegung fassen wir allgemein als Nordic-Skating zusammen. Der nachfolgende Text geht zunächst auf eine Beschreibung des Nordic Skatings und seinen Vorteilen ein. Weiter unten wird auf die Unterschiede der diversen Sportgeräte (Skike, Rollski, Nordic Blading und Cross Skating Modelle) eingegangen.

Allgemeines zu Rollski, Skike und Nordic Blading und Cross Skates

Der Bewegungsrhythmus, bestehend aus Skatingschritt und Doppelstockschub, ist für kurze Zeit gewöhnungsbedürftig. Anfänger setzen die Stöcke oft unfreiwillig vor den Vorderrollen auf, rollen dann dagegen und kommen ins Stolpern (besonders bei den kurzen Inlinern). Ein langer Radstand, wie er bei Rollskiern, Skike und längeren Cross-Skates üblich ist, verringert dieses Sturzrisiko ganz erheblich.

Beim Fahren in der Gruppe sind Brillen als Augenschutz wichtig, damit gelegentlich zu weite Stockbewegungen nicht “ins Auge” gehen. Fußgängern und parkenden Autos ist aus dem gleichen Grund erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen.

Auch für vorsichtige oder ältere Menschen sind diese Trendsportarten sehr gut geeignet. Sie sind leicht zu erlernen und bei der Abwägung des Unfallrisikos kann man, je nach Vorliebe, innerhalb der Nordic-Rollsportarten auswählen. Die erreichbaren Dauergeschwindigkeiten liegen in der Ebene zwischen 11 und 26 km/h, je nach Sportgerät (Cross zwischen 8 und 16 km/h).

Bremsen ist wichtig und bei den Skates ohne eingebaute Bremsen das Üben der Bremstechniken vor der ersten größeren Tour, unverzichtbar. Ein bis zwei Stunden muss man dafür rechnen und dabei lieber einen kleineren Sturz auf dem Parkplatz riskieren als im Ernstfall seine Gesundheit riskieren. Bis die Bremstechnik wirklich sitzt, benötigt man aber viele Monate Übung. Eine Ausnahme sind die Skates mit eingebauten Bremsen.

Sinnvoll ist es von Anfang an einen Pulsmesser zu benutzen, denn die Herz-Kreislaufbelastung ist beim Nordic Skating ziemlich hoch. Manch einer wird staunen, wie subjektiv locker man hohe Pulswerte beim Nordic-Skating erreicht. Hier heißt es: Die Trainingsbelastung nur langsam steigern.

Das Material der Stöcke ist Aluminium oder Karbon- bzw. Glasfaserverbundwerkstoff (CFK/GFK). Oft auch ein Mix aus zwei Materialien. Die Stockspitzen sind aus Metall oder mit Gummipuffern versehen. Einige Stockhersteller bieten verstellbare Modelle an. Auf einen Schneeteller wird verzichtet. Die Kosten liegen zwischen 40 und 170 Euro.

Die körperliche Belastung entspricht bei den vorgestellten Sportarten weitgehend dem Skilanglauf.

In direkten Vergleich fallen aber folgende Unterschiede auf:

- Stürzen ist im Schnee angenehmer, weil man meistens weich fällt. Ein Pluspunkt für den Wintersport.
- Bei den Nordic Rollsportarten kann man fast das ganze Jahr über unterwegs sein. Man ist dadurch Hitze, Kälte, Nässe und bei den Cross-Sportarten auch manchmal Schlamm ausgesetzt, muss also seine Kleidung vielseitiger auswählen.
- Gebremst wird völlig anders als beim Skilanglauf. Auch eine Pflugbremsung auf Rollen fühlt sich völlig anders an als auf Skiern. Manche Nordic-Skates besitzen eine eingebaute Bremse (z.B. Skike).
- Der Armeinsatz ist teils gleichschnell, teils auch wesentlich schneller als beim Skilanglauf. Beim zu schnellen Armeinsatz (Tempo über 20 km/h) verliert der Stockschub an Trainingswirkung.

Nordic-Blading / Nordic-Skating
Nordic Blading Skates
Inlineskaten trainiert eindeutig die Beine. Top-Speedskater sind daher fast automatisch auch sehr gute Radfahrer. Dies ist vielen Sporttreibenden aber zu einseitig und die “gekrümmte” Haltung zu unangenehm. Durch die Verwendung von Stöcken kann das Inlineskaten zu einer Sportart mit einer vielseitigen Ganzkörperbelastung erweitert werden (sogenanntes Nordic-Blading). Durch den Einsatz der ganzen Oberkörpermuskulatur beim Skaten steigt der Energieverbrauch beim Nordic-Skating und das Training wird effektiver. Eine Sache verhindern die Stöcke (auch “Poles” genannt) beim Nordic-Skating nur selten: einen Sturz. Sollte der Stock beim Versuch sich abzustützen abbrechen, kann es sehr gefährlich für den Inline Skater werden. Kleinere Gleichgewichtskorrekturen sind jedoch mit den Stöcken möglich. Für das Stockskaten auf Inlineskates gibt es inzwischen einige Spezialteile und Zubehör. Für bessere Bodenhaftung und als Tempobremse gibt es beispielsweise Vollgummirollen.

Kosten: 150 bis 250 Euro plus Stöcke

Rollski & Skiroller
Skiroller Rollski

Rollski ist eigentlich der Urahn aller Nordic-Roll-Sportarten. Zum Sommertraining für ambitionierte Skilangläufer wurden bereits in den 30er-Jahren die ersten Rollskier in Kleinserien hergestellt. Auf kurzen Brettern wird eine Klappbindung vom Langlaufski montiert. Man fährt dann mit Skilanglaufschuhen. Am verbreitetsten bei Rollskiern sind Kunststoffrollen, die zwar leicht Rollen, aber auch die geringe Bodenhaftung eines Inlineskates vermitteln. Im Gelände gehen Rollski nicht, es sei denn man wählt eins der teureren Cross-Modelle mit etwas größeren Luftreifen. Durch eine optionale Rücklaufsperre ist der klassische Parallelschritt möglich. Es kann aber auch geskatet werden. Zu diesem Zweck gibt es verschiedene Rollen und Rollski Modelle, aber neuerdings auch Universalmodelle für beide Stilarten.

Durch die geringen Stückzahlen in der Herstellung ist und bleibt Rollskifahren recht teuer. Absolute Skilanglaufspezialisten werden aber auf ihre Rollskier nicht verzichten, weil sie das Gefühl des Langlaufschuhs und der Klappbindung nicht verlernen wollen. Aber gerade durch die Klappbindung ist die Fahrstabilität der Rollski begrenzt und kommt in der Bewegung bestenfalls an die von Inlineskates heran. Durch das Gelenk in der Bindung fällt man leichter vorn über, als die Länge der Rollski es zunächst vermuten lässt. Auf Abfahrten liegen sie stabiler als Inlineskates. Nur wird dann natürlich das Problem der schwierigen Bremstechnik auf Rollskiern akut. Deswegen fahren Spezialisten oft nur auf bekannten Trainingsrunden oder bevorzugt in den Trainingsstützpunkten der Spitzen-Skiläufer. Um das recht hohe Tempo auf den Kunststoffrollen zu bremsen, setzten machen Rollskifahrer fest montierte Dauerbremsen an ihren Rollskiern ein.
Ganz selten werden Geländerrollski angeboten, die Luftreifen besitzen. Die Standfestigkeit im Gelände ist aber wegen der Langlaufbindung nur knapp ausreichend. Diese Modelle liegen im ganz oberen Preissegment.

Kosten: 300 bis 550 Euro plus Stöcke

Cross-Skates:

“Nordic-Inline-Skate” / “Nordic-Trainer” / “Enduro-Skate” / “Nordic-Cross-Inline”

Diese Sportgeräte haben je einen großen Luftreifen vorn und hinten. Die Reifen werden mit einem Luftdruck zwischen 5 und 8 bar gefahren. Inlineskates versagen auf rauem, lockerem und weichem Untergrund - hier geht es aber mit diesen Skatern noch erheblich weiter. Da man auf Asphalt und im leichten Gelände (flache Waldwege, Parkwege) fahren kann, wird eine Inliner-Karte überflüssig. Der Aktionsradius von Cross-Skates ist enorm. Fingerdicke Stöcke und Steine bis etwa 15 mm Durchmesser sind mit der Luftbereifung kaum noch spürbar und kein Grund mehr zum Straucheln.

Diese Kategorie Cross-Skates besitzt einen fest montierten Schuh ähnlich einem Inlineskate oder Skischuh. Fahren im Gelände erfordert aber ein gewisse Grundfitness und etwas mehr Routine mit dem Gleichgeweicht auf den Skates. Es ist anstrengender und anspruchsvoller als reines Straßenfahren.
Kosten: 220 bis 300 Euro plus Stöcke

Cross-Inliner von Powerslide

Powerslide stellt gleich mehrere Modelle zum Nordic-Skating her. Es sollen mit den verscheidenen Skates Einsteiger und sportlich ambitionierte Skater angesprochen werden. Durch die Lufbereifung sind sie alle theoretisch ebenso geländetauglich, wie die nachfolgend beschreibenen Skikes. Die fehlenden Bremsen schränken ihren Einsatzbereich bergab und im Alltag erheblich ein. Die nachrüstbaren Bremsen sind zwar gut gemeint, verdienen aber leider kaum die Bezeichnung Bremse. Die Schuhe bei den Powerslidemodellen sind fest auf dem Skate befestigt, was zunächst einen sportlichen und optisch chicken Eindruck macht. Aber die Nachteile, dass man bei einer Panne dadurch nicht mehr weiterkommt, oder dass ein möglicherweise unbequemer Inlinerschuh nicht so leicht ausgetauscht werden kann, lassen gewisse Zweifel an diesem Konzept aufkommen.

Powerslide

Kosten: 180 bis 300 Euro plus Stöcke

Cross-Skates Marke Skike

Die Bereifung der Skike entspricht praktisch den vorher genannten Cross Skating Modellen, mit allen erwähnten Vorteilen. Der Rahmen der Skikes ist praktisch “um den Schuh herum gebaut”, was bedeutet, dass man mit seinen eigenen Schuhen fahren kann. Nicht auf jeden wirkt diese Konstruktion sofort elegant. Praktisch daran ist aber, dass man unterschiedliche Schuhe benutzen kann und wenn im Gelände kein Durchkommen mehr ist oder man sich einfach in den Biergarten setzten möchte, die Skike auszieht und mit seinen Schuhen komfortabel weiterlaufen kann. Dies alles ist ein erheblicher Gewinn in Sachen Alltagstauglichkeit und macht die Skike zur ernsthaften Alternative als Verkehrmittel (öffentliche Verkehrsmittel, Shopping…). Mit breiten Klettverschlüssen halten die Schuhe recht fest am Skike.
Noch wichtiger ist aber die eingebaute Bremse an jedem Skike. Die Bremsen sind als absolut gelungen zu bezeichnen, denn die Bremswirkung ist sehr groß und auch Skike Neulinge erlernen ihre Bedienung sehr schnell, innerhalb einiger Minuten. Anfänger verlieren so ihre Angst vor dem Cross-Rollsport und bei Routiniers wird über längere Zeit die Sturzstatistik erheblich besser aussehen. Gerade schwere Stürze und Unfälle werden durch kontrolliertes Bremsen vermindert. Neben einer Bremsverstellung gibt es noch eine seitliche Neigungs-Verstellung, wie auch weitere komfortable Anpassungsmöglichkeiten.
Für Nachwuchs Skiker und Frauen mit kleinerer Schuhgröße (bis 38) gibt es ein kleineres Modell, welches 50 Euro günstiger zu haben ist.

Skikes schwarzKosten: 200 bis 250 Euro plus Stöcke

Zusammenfassung

Nordic-Skating ist eine Sportart, die mehr für die Breite geeignet ist als nur Inlineskaten. Der erweiterte Einsatzbereich der Cross-Skates (Luftbereifung), macht das Training abwechslungsreich und motivierend. Auch vom Alter her sind nach oben kaum Grenzen gesetzt. Die Nordic-Skating-Bewegungen sind gelenkschonend und orthopädisch sinnvoll. Kaum eine andere Ausdauersportart verbindet ein sinnvolles Rumpfmuskeltraining so selbstverständlich mit dem Training, wie Nordic-Skating. Effizienter als Skaten auf Kunststoffrollen (Inliner mit Stöcken oder Rollski) ist das Skaten auf Luftreifen, weil das Tempo ziemlich genau dem Skilanglauf entspricht und dadurch die Arme leichter und wirksamer eingesetzt werden können. Überhaupt scheint Rollskilaufen im direkten Vergleich mehr ein teurer Spaß für Spezialisten zu sein.

Der kostengünstigste Einstieg ist das Nordic-Blading auf Inlineskates. Kaum teurer sind aber einige Varianten der vielseitigeren Cross-Skates. Besonders die Skike machen in diesem Vergleich einen sehr guten Eindruck. Durch seine Vielseitigkeit, seinen Komfort und die Bremsen hat der Skike gegenüber den anderen Geräten die Nase deutlich vorn.
Die Auswahl unter den verschiedenen Trainingsgeräten bleibt jedem selbst überlassen. Sofern man sturzfrei unterwegs ist, kann man Nordic-Skating fast uneingeschränkt als gesund bezeichnen. Und einen Riesenspaß macht es auch noch.

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